Garten, Balkon, Terrasse: Der unterschätzte Wert beim Immobilienverkauf
Redakteur: Thomas Brunner
Der März ist da, die ersten warmen Tage locken nach draußen – und genau jetzt sollten Immobilienverkäufer hellhörig werden. Denn während drinnen über Energieausweise und Preisstrategien diskutiert wird, schlummert draußen ein Faktor, den viele komplett unterschätzen: der Außenbereich.
Ob großer Garten, kleiner Balkon oder überdachte Terrasse – der Blick aus dem Fenster und der erste Schritt vor die Tür entscheiden mit darüber, wie schnell sich eine Immobilie verkauft und zu welchem Preis. Eine Studie von Husqvarna und Gardena beziffert den sogenannten „Garteneffekt“ in Deutschland auf durchschnittlich 18 Prozent Wertsteigerung. Noch konkreter: Für jeden Euro, der in die Gartengestaltung fließt, kommen im Schnitt 2,60 Euro beim Verkauf zurück.
Klingt nach einer besseren Rendite als die meisten Geldanlagen. Und das Beste: Sie brauchen dafür weder einen Landschaftsarchitekten noch ein großes Budget.
Warum der Außenbereich so viel Wirkung hat
Kaufentscheidungen sind emotionaler, als die meisten Verkäufer glauben. Natürlich spielen Lage, Zustand und Preis eine Rolle. Aber der erste Eindruck entsteht nicht im Wohnzimmer, sondern schon beim Blick auf das Grundstück – oder beim Betreten des Eingangsbereichs. Ein verwilderter Garten, ein zugestellter Balkon oder eine vermoste Terrasse sagen dem Käufer: Hier wurde auch drinnen nicht viel gemacht.
ERA Immobilienmakler bringen es oft auf einen gemeinsamen Nenner: Der Unterschied zwischen einem gepflegten und einem ungepflegten Garten kann je nach Lage 5.000 bis 25.000 Euro beim Verkaufspreis ausmachen. Wohlgemerkt – es geht nicht um den Unterschied zwischen „Garten“ und „kein Garten“, sondern allein um den Pflegezustand.
Der Rückschluss liegt für Käufer nahe: Ist der Garten ungepflegt, wird das Haus vermutlich auch nicht in bestem Zustand sein. Umgekehrt löst ein gepflegter Außenbereich positive Gefühle aus und weckt, was Makler „Begehrlichkeiten“ nennen – die Bereitschaft, etwas tiefer in die Tasche zu greifen.
Was im Garten wirklich zählt – und was nicht
Den „perfekten Verkaufsgarten“ gibt es nicht. Welche Elemente einen Käufer überzeugen, hängt stark von der Zielgruppe ab. Für junge Familien ist ein Klettergerüst ein Pluspunkt, ein Gartenteich eher ein Sicherheitsrisiko. Für ältere Paare zählt Pflegeleichtigkeit mehr als aufwändige Blumenbeete.
Es gibt aber Dinge, die fast immer gut ankommen: eine gepflegte Terrasse, Pflanzen, ein schöner Baum, ein gemähter Rasen. Und es gibt klare No-Gos: Gartenzwerge, verwilderte Beete, marode Gartenhäuser und allzu persönliche Deko, die eher an die 1980er erinnert als an einen zeitgemäßen Außenbereich.
Die wichtigste Regel ist simpel: Was da ist, muss gepflegt aussehen. Lieber einen einfachen, sauberen Garten als einen ambitionierten, der aus dem Ruder gelaufen ist.
Die Schnell-Maßnahmen mit der größten Wirkung
Wer vor dem Verkauf nicht viel Zeit und Geld investieren will, sollte sich auf das konzentrieren, was den höchsten Effekt bei geringstem Aufwand bringt:
Rasen mähen und vielleicht sogar vertikutieren – Klingt banal, ist aber die Basis. Ein frisch gemähter Rasen verändert den gesamten Eindruck eines Grundstücks.
Hecken und Sträucher schneiden – Zugewucherte Grundstücksgrenzen wirken ungepflegt und lassen den Garten kleiner erscheinen, als er ist. Ordentlich gestutzte Hecken schaffen sofort Struktur.
Wege und Terrasse reinigen – Ein Hochdruckreiniger kostet wenig in der Miete, macht aber aus vermoosten Pflastersteinen wieder eine einladende Fläche. Das gilt auch für die Einfahrt und den Weg zur Haustür.
Eingangsbereich gestalten – Ein paar Kübelpflanzen, eine saubere Fußmatte, vielleicht ein neuer Anstrich für die Haustür – der Eingangsbereich ist das Erste, was Käufer sehen.
Altes und Kaputtes entfernen – Marode Gartenmöbel, rostende Gerätschaften, aufgerissene Mülltonnenverkleidungen – alles, was den Eindruck von Verfall vermittelt, muss weg.
Beleuchtung installieren – Besonders bei Besichtigungsterminen am Nachmittag im Frühjahr wirkt stimmungsvolle Außenbeleuchtung Wunder. Solarleuchten kosten wenig und setzen den Garten in Szene.
Mit diesen Maßnahmen kommen Sie insgesamt auf vielleicht schon auf 500 bis 2.000 Euro mit überschaubarer Investition und Arbeit. Gemessen an der Wirkung auf den Verkaufspreis ist das eine der besten Investitionen, die ein Verkäufer tätigen kann.
Was man lieber lassen sollte
Nicht jede Investition in den Garten lohnt sich. Teure Umbauten wie ein neuer Pool, eine aufwändige Gartenarchitektur oder exotische Bepflanzung können sogar nach hinten losgehen. Die meisten Käufer wollen keinen Pflegeaufwand erben, den sie nicht überschauen können. Ein Pool etwa ist für die einen ein Traum, für die anderen ein Alptraum aus Wartungskosten und Versicherungsfragen.
Ähnlich verhält es sich mit starken stilistischen Aussagen. Ein japanischer Zen-Garten mag Ihnen gefallen, trifft aber nicht jeden Geschmack. Setzen Sie stattdessen auf einheimische, pflegeleichte Pflanzen – die sind an das Klima angepasst, sehen ganzjährig gut aus und signalisieren dem Käufer: Hier gibt es wenig Arbeit.
Kein Garten? Kein Problem – so punkten Balkon und Terrasse
Nicht jede Immobilie hat einen Garten. Gerade bei Eigentumswohnungen ist der Balkon oder die Terrasse der einzige Außenbereich – und damit umso wichtiger. Eine HAUSGOLD-Analyse zeigt, dass allein das Vorhandensein eines Balkons den Quadratmeterpreis einer Wohnung um rund 5 Prozent steigern kann.
Doch auch hier gilt: Der Zustand macht den Unterschied. Ein verdreckter Balkon mit verwitterten Möbeln und leeren Blumentöpfen ist schlimmer als gar kein Balkon, weil er aktiv abschreckt. Ein aufgeräumter, ansprechend gestalteter Balkon dagegen verlängert die Wohnung optisch nach draußen – und genau das suchen Käufer.
Balkon vor dem Verkauf aufwerten: Die Checkliste
Gründlich reinigen – Boden schrubben, Geländer putzen, Wände oder Verkleidungen abwischen. Wenn der Belag stark beschädigt ist, können Holzfliesen oder Outdoor-Fliesen zum Klicken eine schnelle und günstige Lösung sein.
Kaputte Elemente reparieren – Lose Geländerteile, gerissene Bodenplatten oder defekte Markisen fallen Käufern sofort auf. Reparieren oder entfernen – Halbherziges wirkt schlimmer als nichts.
Einladend möblieren – Ein kleiner Bistrotisch mit zwei Stühlen, eine Laterne und ein paar Pflanzen reichen aus, um den Balkon als „Outdoor-Wohnzimmer“ zu inszenieren. Das funktioniert auch auf nur vier Quadratmetern.
Bepflanzen – Kräuter, Lavendel, Ziergräser oder saisonale Blumen machen den Balkon lebendig. Bei Besichtigungen im Frühling wirkt ein begrünter Balkon besonders einladend.
Wäscheleinen und Abstellkram entfernen – Klingt selbstverständlich, wird aber oft vergessen: Der Balkon als Abstellkammer ist der schnellste Weg, Käufer abzuschrecken.
Die Terrasse: Das unterschätzte Highlight
Eine gut inszenierte Terrasse kann für viele Käufer das ausschlaggebende Argument sein. Besonders Süd- und Ost-Terrassen gelten als verkaufsfördernd, weil sie Morgen- oder Nachmittagssonne bieten. Eine Terrassenüberdachung – ob fest oder als Sonnensegel – erweitert die Nutzungszeit deutlich und verwandelt eine Freifläche in ein fast ganzjährig nutzbares „Outdoor-Zimmer“.
Wenn eine Terrasse bereits vorhanden ist, lohnt sich vor dem Verkauf besonders: eine gründliche Reinigung des Belags, funktionierendes Mobiliar und eine stimmige Beleuchtung für Abendbesichtigungen.
Gut zu wissen: Wie der Außenbereich in die Wohnfläche eingeht
Für Verkäufer und Käufer gleichermaßen wichtig: Balkone, Loggien und Terrassen werden nach der Wohnflächenverordnung (WoFlV) in der Regel zu 25 Prozent auf die Wohnfläche angerechnet. Ein 12-Quadratmeter-Balkon erhöht die offiziell ausgewiesene Wohnfläche also um 3 Quadratmeter.
Das klingt nach wenig, macht sich aber beim Verkaufspreis durchaus bemerkbar – besonders in Lagen mit hohen Quadratmeterpreisen. Bei einem Quadratmeterpreis von 3.000 Euro bedeuten 3 zusätzliche Quadratmeter immerhin 9.000 Euro.
Gärten werden dagegen nicht in die Wohnfläche eingerechnet. Ihr Wert fließt indirekt über die Grundstücksfläche und die Attraktivität der Immobilie in den Verkaufspreis ein.
Der richtige Zeitpunkt: Warum der Frühling den Unterschied macht
Es ist kein Zufall, dass die meisten Immobilien im Frühling verkauft werden. Die Besichtigungssaison beginnt mit den ersten warmen Tagen, Familien planen Umzüge für den Sommer, und – ganz entscheidend – Gärten und Außenbereiche zeigen sich von ihrer besten Seite.
Ein blühender Magnolienbaum im April, ein sattgrüner Rasen im Mai, eine einladende Terrasse bei der Abendbesichtigung im Juni – all das kann laut Experten das „Tüpfelchen auf dem i“ sein, das einen Käufer von „interessiert“ zu „überzeugt“ bringt.
Wer im Frühling 2026 verkaufen will, sollte jetzt – im März – mit der Vorbereitung des Außenbereichs beginnen. Der Aufwand ist überschaubar, die Wirkung aber enorm.
Das Wichtigste im Überblick
Drei Takeaways für Verkäufer
Erstens: Der Außenbereich ist keine Nebensache. Ein gepflegter Garten kann den Verkaufspreis um bis zu 18 Prozent steigern, ein aufgewerteter Balkon den Quadratmeterpreis um rund 5 Prozent. Der Unterschied zwischen „gepflegt“ und „ungepflegt“ liegt in guter Lage bei 10.000 bis 50.000 Euro.
Zweitens: Kleine Maßnahmen, große Wirkung. Rasen mähen, Hecke schneiden, Terrasse reinigen, Eingangsbereich gestalten – für 500 bis 2.000 Euro und ein paar Wochenenden Arbeit holen Sie ein Vielfaches beim Verkauf heraus.
Drittens: Jetzt starten. Wer im Frühling verkaufen will, bereitet den Außenbereich im März vor. Dann blüht und grünt es rechtzeitig zur ersten Besichtigung.
Drei Takeaways für Käufer
Erstens: Schauen Sie hinter die Kulisse. Ein schön inszenierter Garten ist toll – aber prüfen Sie den tatsächlichen Zustand von Bäumen, Terrasse, Einfahrt und Entwässerung. Fragen Sie nach dem Energieausweis, nicht nur nach dem Rhododendron.
Zweitens: Balkon und Terrasse realistisch bewerten. Nach der WoFlV werden Balkone und Terrassen zu 25 Prozent auf die Wohnfläche angerechnet. Prüfen Sie, ob die Wohnflächenangabe im Exposé korrekt berechnet wurde.
Drittens: Pflegeaufwand einkalkulieren. Ein großer Garten kann ein Segen sein – oder eine zeitintensive Dauerbaustelle. Überlegen Sie realistisch, wie viel Gartenarbeit Sie leisten wollen, bevor Sie sich in das „Gartenparadies“ verlieben.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie stark kann ein gepflegter Garten den Verkaufspreis meiner Immobilie steigern?
Die Wertsteigerung hängt von Lage, Größe und Zustand ab. Studien beziffern den sogenannten „Garteneffekt“ in Deutschland auf durchschnittlich 18 Prozent. In guten städtischen Lagen kann allein der Unterschied zwischen einem gepflegten und einem ungepflegten Garten 10.000 bis 50.000 Euro beim erzielbaren Verkaufspreis ausmachen. Wichtig dabei: Es kommt weniger auf teure Umbauten an als auf einen sauberen, ordentlichen Gesamteindruck.
Lohnt es sich, vor dem Verkauf in den Garten zu investieren?
In den meisten Fällen ja – und zwar deutlich. Pro investiertem Euro in die Gartengestaltung kommen laut dem Global Garden Report im Durchschnitt 2,60 Euro beim Verkauf zurück. Schon mit 500 bis 2.000 Euro für Rasenpflege, Heckenschnitt, eine gereinigte Terrasse und ein paar Kübelpflanzen lässt sich ein spürbarer Unterschied erzielen. Von aufwändigen Umbauten wie Pools oder exotischer Bepflanzung sollten Sie allerdings absehen – das trifft nicht jeden Geschmack und kann abschreckend wirken.
Wie wird ein Balkon bei der Wohnfläche berücksichtigt?
Nach der Wohnflächenverordnung (WoFlV) wird die Fläche von Balkonen, Loggien und Terrassen in der Regel zu 25 Prozent auf die Wohnfläche angerechnet. Ein 10-Quadratmeter-Balkon erhöht die offizielle Wohnfläche also um 2,5 Quadratmeter. Das wirkt sich direkt auf den Verkaufspreis aus, besonders in Lagen mit hohen Quadratmeterpreisen. Prüfen Sie als Verkäufer, ob Ihre Wohnflächenberechnung aktuell und korrekt ist.
Kann ich auch ohne Garten den Außenbereich meiner Wohnung aufwerten?
Auf jeden Fall. Ein aufgeräumter, sauber gestalteter Balkon kann den Quadratmeterpreis einer Wohnung um rund 5 Prozent steigern. Reinigen Sie den Boden, stellen Sie ein kleines Mobiliar auf, bepflanzen Sie Kübel und entfernen Sie alles, was nach Abstellkammer aussieht. Schon mit wenig Aufwand wird aus einem „toten“ Balkon ein einladendes Outdoor-Zimmer, das bei Besichtigungen den entscheidenden Unterschied machen kann.
Welche Gartenelemente kommen bei Käufern am besten an?
Universell gut kommen eine Terrasse aus Naturstein, pflegeleichte Bepflanzung mit einheimischen Arten, Kübelpflanzen und ein schöner, alter Baumbestand an. Für Familien sind ein ebener Rasen und sichere Spielmöglichkeiten Pluspunkte. Generell gilt: Weniger ist mehr. Ein übersichtlicher, aufgeräumter Garten wirkt ansprechender als ein überladener, auch wenn letzterer teurer war.
Sollte ich mit dem Verkauf bis zum Frühling warten, damit der Garten gut aussieht?
Das kann sich lohnen, muss aber nicht. Im Frühling zeigen sich Gärten, Balkone und Terrassen von ihrer besten Seite, und die Käuferaktivität ist saisonal am höchsten. Wenn Sie die Wahl haben und zeitlich flexibel sind, ist ein Verkaufsstart zwischen März und Juni tatsächlich ideal. Allerdings sollten Sie den Markt und Ihre persönliche Situation nicht außer Acht lassen – ein guter Preis ist auch im Herbst oder Winter möglich, wenn die Immobilie insgesamt gut vorbereitet ist.
Was ist beim Verkauf wichtiger: Garten oder Balkon?
Das hängt von der Immobilienart ab. Bei einem Einfamilienhaus ist der Garten oft der ausschlaggebende Faktor, besonders für Familien. Bei einer Eigentumswohnung zählt vor allem, dass überhaupt ein nutzbarer Außenbereich vorhanden und gepflegt ist. Eine Wohnung mit Balkon erzielt nachweislich höhere Preise als eine vergleichbare Wohnung ohne. In beiden Fällen gilt: Der Zustand ist wichtiger als die Größe.
Quellen:
- Global Garden Report 2011, Husqvarna/Gardena – „Garteneffekt“ Deutschland
- Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau / Dialogveranstaltung „Focus Garten“ (Maklerin Claudia Brakonier)
- HAUSGOLD-Analyse: Wohnungseigenschaften und Preiseffekte (Balkon +5 %, Ausstattung +17 %)
- Wohnflächenverordnung (WoFlV) – Anrechnung Balkon/Terrasse zu 25 %
- VPB e.V. (Dipl.-Ing. Eva Reinhold-Postina) – Garten als Verkaufsargument
- Gietmann Immobilien – Home Staging im Garten (2025)
- Engel & Völkers – Wertsteigerung durch Außenbereiche
Sie möchten Ihre Immobilie vor dem Verkauf optimal vorbereiten? Finden Sie hier Ihren ERA-Partner in Ihrer Nähe – wir beraten Sie persönlich und unverbindlich.
Hinweis zur Erstellung dieses Artikels:
Die Themenfindung und strategische Ausrichtung erfolgte durch das ERA Deutschland Redaktionsteam. Die Recherche und Aufbereitung der Informationen wurde unterstützt durch KI-Tools (ChatGPT, Google Gemini, Claude AI, Perplexity). Die inhaltliche Prüfung, redaktionelle Bearbeitung und Freigabe erfolgten durch die ERA Deutschland Redaktion.
Redakteur: Thomas Brunner, ERA Deutschland GmbH, Managing Director und begeisterter „Draußensitzer“im Garten und Balkon.





